Digitale Archäologie mit Grafikformaten

Ich habe kürzlich eine Datei in einem Grafikformat für den C64 im Internet gefunden, das kaum ein modernes Programm versteht: Koala Painter. Ein paar Stunden später konnte ich diese Art Datei einlesen, in ein PNG konvertieren und sogar wieder als Koala-Painter-Datei für den C64 speichern. Wie? Durch digitale Archäologie und die Hilfe von KI.

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Bild: "Winter is coming" von Arsenic, Oxyron (https://csdb.dk/release/?id=151259) in Original Auflösung von 320x200 Punkten, hier mit der Colodore-Palette gerendert.

Ich arbeite aktuell mit Grafik- und Audioformaten aus den 80er- und frühen 90er-Jahren: C64, Amiga, frühes DOS, dazu Disk-Images wie D64 und ADF. Das Problem dabei ist nicht, dass diese Formate unbekannt wären. Das Problem ist, dass sie selten sauber dokumentiert sind. Sie sind eng an Hardware gebunden und oft eher Speicherzustände als klar definierte Dateiformate. Man implementiert sie nicht einfach, man muss sie rekonstruieren. Dazu benötigt man umfangreiches Wissen zu den Formaten und der Hardware.

Der klassische Weg ist mühsam: Hex-Dumps lesen, alte Foren durchsuchen, Annahmen treffen, verwerfen, neu anfangen. Für das Koala-Format habe ich etwa 20 Stunden gebraucht. Mit einem anderen Ansatz ging es deutlich schneller. Mit KI konnte ich das Lesen und Schreiben in etwa fünf Stunden umsetzen. Beim D64-Format wäre ich früher vermutlich nicht weitergekommen, mit diesem Ansatz waren es sechs bis acht Stunden. Der Unterschied ist nicht nur Geschwindigkeit. Ich komme überhaupt erst an Punkte, die vorher außerhalb meiner Reichweite lagen.

Ich frage die KI dabei nicht nach fertigen Lösungen. Ich arbeite mit ihr. „Warum sind die Farben falsch?“, „Was passiert, wenn ich das anders interpretiere?“, "Kannst du mal x und y tauschen?" – solche Fragen treiben den Prozess. Ich probiere, korrigiere, iteriere. Neudeutsch heisst das Vibe Coding: Ein explorativer Programmierstil in natürlicher Sprache, bei dem die KI nicht Antworten liefert, sondern Hypothesen. Und dabei kommen tatsächlich belastbare Ergebnisse heraus.

Ob ich ein Format wirklich verstanden habe, zeigt sich nicht beim Anzeigen, sondern beim Zurückschreiben. Ich lese eine Datei, dekodiere sie, speichere sie neu und lade sie im Emulator oder im Originalprogramm. Wenn sie dort korrekt funktioniert, stimmt meine Interpretation. Die KI sagt mir, wie es sein könnte. Der Emulator zeigt mir, ob es stimmt.

So betreibe ich Computerarchäologie. Und Vibe Coding ist mein Werkzeug dafür. Es geht dabei nicht nur darum, schneller zu programmieren. Es geht darum, Dinge zu tun, die vorher nicht möglich waren.

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